Das schwere Erdbeben und der Tsunami haben in japanischen Kernkraftwerken zu Störfällen geführt. Noch unklar sind die genauen Ursachen sowie die Auswirkungen auf die Schweiz.
Generell lässt sich sagen, dass die Risikolage in der Schweiz anders zu beurteilen ist als in Japan. Ein Erdbeben von der Stärke 9.0 wie in jenes in Japan ist hier gemäss Experteneinschätzung nicht zu erwarten. Das bekannteste Erdbeben in der Schweizer Geschichte trat 1356 in Basel auf und war rund hundertmal schwächer als dasjenige in Japan.
In der Schweiz wurde schon vor vier Jahren mit einer Neubeurteilung des Erdbebenrisikos von AKW begonnen. Möglicherweise müssen einige Kernkraftwerke nachrüsten, um den schärferen Anforderungen zu genügen. Grundsätzlich sind aber auch die Schweizer Kernkraftwerke auf Extremfälle ausgelegt.
Noch weiss man nicht genau, was zum Ausfall des Kühlsystems in den japanischen Reaktoren geführt hat. Bei Schweizer Kernkraftwerken gibt es aber mehrere Notstromgruppen, die bei einem Ausfall der Stromversorgung dafür sorgen, dass die Kühlmittelpumpen genügend Strom haben. Diese Systeme sind mehrfach redundant und gewähren so, dass eine Kühlung in genügendem Ausmass immer möglich ist.
Ebenso ist auch noch nicht klar, welche Faktoren oder welche Verkettung von welchen Umständen zu den Störfällen geführt haben. Erst wenn hierzu gesicherte Informationen vorliegen, können sich Massnahmen für andere Reaktoren – auch in der Schweiz – ableiten lassen. Vertiefte Untersuchungen sind wichtig und notwendig und die Erkenntnisse dieser Analyse sollen in die Sicherheitskonzepte der schweizerischen Kernkraftwerke einfliessen. Noch ist es aber zu früh, Folgerungen im Bereich der nuklearen Sicherheit in der Schweiz zu ziehen.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen der verheerenden Naturkatastrophe in Japan auf unseren Kanton lassen sich derzeit nur schwer abschätzen.
Mit Sicherheit gehen die Ereignisse nicht spurlos an uns vorüber. Bei Toyota, Honda und Nissan stehen die Fliessbänder still. Auch Sony, Canon und Toshiba schlossen die Produktionsstätten. Grosse Stahlproduzenten haben ihre Werke geschlossen und auch viele Hafenbetriebe sind ausser Betrieb.
Die Energieversorgungsprobleme und damit einhergehend die Rationalisierungs-Massnahmen führen zu einer Drosselung der wirtschaftlichen Aktivitäten in Japan. Beides hat direkte Einflüsse auf Betriebe in der Schweiz und im Kanton Solothurn.
Umgekehrt werden Schweizer und Kantonal Solothurnische Betriebe Chancen erhalten, im Rahmen der Wiederaufbau-Arbeiten Hilfe zu leisten.
Eine abschliessende Einschätzung ist derzeit noch nicht möglich.
Obwohl das Japan-Beben dramatisch für die Wirtschaftsmacht Nummer drei ist, beurteilen die Schweizer Ökonomen die Folgen für die Schweiz und die Welt als überschaubar. Der Grundtenor lautet: Kommt es nicht zu einem atomaren Super-GAU, wird die Erdbeben- und Tsunamikatastrophe in Japan die Weltwirtschaft nicht erschüttern. «Bezogen auf die Weltkonjunktur schlägt sich Japan in den Nachkomma-Stellen nieder», so Jan-Egbert Sturm von der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF). Auch Felix Brill von Wellershoff & Partners erwartet keine globale Rezession. Urs Müller von BAK Basel Economics rechnet nicht einmal mit grösseren Verwerfungen an den Finanzmärkten. Dies obwohl gestern die Preise für Kreditausfallversicherungen in Japan stiegen und die Börse in Tokio um 6,2% einbrach.
Anders als bei den Verwerfungen im Euro- und Dollarraum muss sich auch die Schweizer Wirtschaft nicht vor einem Einbruch fürchten. Zwar ist Japan noch immer die drittgrösste Wirtschaftsmacht. «Allerdings gehen nur 3,3 Prozent der Schweizer Exporte nach Japan», so Müller. Davon ist die Pharmaindustrie am bedeutendsten. «Bei den Medikamenten ist kein Einbruch zu erwarten», sagt Rudolf Minsch vom Schweizer Wirtschaftsverband Economiesuisse. Bei den Uhren hingegen rechnet er mit einem gewissen Rückgang. Auswirkungen dürften auch die Rückversicherungen und der Tourismus spüren. Und sollte der Yen nachhaltig fallen, ist laut Sturm auch eine weitere Stärkung des Frankens möglich. Die Produktion hierzulande bleibt jedoch unbeeinflusst. Denn Schweizer Firmen importieren kaum aus Japan.
